Ausblick auf Technologie- und Digitalisierungstrends 2027
KI in der Bauwirtschaft bleibt weiterhin im Pilotmodus
Pasadena/München, 14. Oktober 2026 – Bluebeam, einer der führenden Anbieter digitaler Lösungen für Produktivität und Zusammenarbeit in Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen (AEC) und Teil der Nemetschek Group, veröffentlicht heute den „Building the Future: Bluebeam AEC Technology Outlook 2027 – Germany and Austria Edition“. Die Studie zeigt: Künstliche Intelligenz liefert in der Bauwirtschaft bereits messbare Vorteile. Der breite Sprung vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz bleibt jedoch aus.
Von den 350 befragten Technologie-Entscheiderinnen und ‑Entscheidern aus Architektur‑, Ingenieur- und Bauunternehmen in Deutschland und Österreich setzen 26 Prozent KI bereits in produktiven Arbeitsabläufen ein. Der Wert liegt damit in vergleichbarer Größenordnung zum Vorjahr (27 Prozent). Nur 5 Prozent der Unternehmen haben KI über mehrere geschäftskritische Workflows hinweg verankert. Weitere 36 Prozent befinden sich noch in begrenzten oder experimentellen Pilotanwendungen.
„Die Bauwirtschaft stellt KI nicht grundsätzlich infrage – sie ringt vielmehr damit, sie verantwortlich in bestehende Prozesse zu integrieren, wobei Nachvollziehbarkeit und Verlässlichkeit der Ergebnisse im Vordergrund stehen “, so Christoph Becker, Business Development Lead – EMEA bei Bluebeam, zu den Ergebnissen. Und er ergänzt: „Entscheidend ist nicht, möglichst schnell neue Tools einzuführen, sondern Daten, Systeme und Prozesse so zu verknüpfen, dass KI belastbare Ergebnisse liefert, die im Projektalltag wirksam werden.”
Von der KI-Erprobung zur produktiven Anwendung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kosten nicht allein der Grund sind, warum viele KI-Initiativen bisher im Pilotstadium verharren. Hohe Implementierungskosten sind zwar die am häufigsten genannte Hürde – sowohl bei Unternehmen, die gerade erst mit KI beginnen (54 Prozent), als auch bei Unternehmen, die KI bereits über das Pilotstadium hinaus skaliert haben (52 Prozent). Auch fehlende interne KI-Kompetenzen werden von beiden Gruppen in ähnlicher Größenordnung genannt.
Die Unterschiede zwischen den KI-Startern und KI-Fortgeschrittenen liegen vielmehr an anderer Stelle: Unternehmen im Pilotmodus nennen deutlich häufiger Schwierigkeiten, geeignete Anwendungsfälle in der eigenen Firma zu identifizieren oder über den Experimentierstatus hinaus zu definieren (35 Prozent gegenüber 22 Prozent). Ebenso spielen Datenprobleme, so die Datenqualität oder der Datenzugang, bei Unternehmen, die mit KI erst gestartet sind, eine deutlich größere Rolle (15 Prozent gegenüber 4 Prozent).
Für jene, die KI erfolgreich in eine produktive Nutzung überführt haben, war vor allem die Integration in vorhandene Systeme und Werkzeuge ausschlaggebend: 49 Prozent dieser Gruppe nennen sie als wichtigsten Erfolgsfaktor. Es folgen hochwertige Daten (34 Prozent) und die Zusammenarbeit über Teams hinweg (30 Prozent). Vertrauen in KI-Ausgaben erscheint dagegen nicht der zentrale Bremsschuh zu sein: Unter den 218 Organisationen, die KI nutzen, nennen lediglich 2 Prozent mangelndes Vertrauen in Ergebnisse als Barriere; bei Unternehmen mit skalierter KI liegt dieser Anteil bei 0 Prozent.
KI verbessert die Planbarkeit – aber nur selten die Baustellenrealität
Dort, wo KI produktiv eingesetzt wird, berichten die befragten Unternehmen über konkrete operative Effekte. 65 Prozent der KI-nutzenden Organisationen nennen eine höhere Vorhersehbarkeit der Kosten im Projekt. 59 Prozent sehen eine geringere administrative Belastung und 58 Prozent berichten, Risiken und Probleme früher erkennen zu können.
Deutlich wird auch: KI wird derzeit vor allem in frühen und planungsnahen Projektphasen genutzt. 74 Prozent setzen sie in der Planung ein, 69 Prozent in der Kostenschätzung sowie 64 Prozent in der frühen Entwurfsplanung und Modellierung. In den Baustellenprozessen ist die Verbreitung aktuell sehr viel geringer: Nur 13 Prozent setzen auf die KI in der Bauausführung vor Ort, auf der Baustelle.
Ein heterogenes Bild zeigt sich auch bei den erzielten Effekten. Während KI hilft, Risiken früher sichtbar zu machen, können nur 18 Prozent weniger Nacharbeit oder späte Änderungen bestätigen. Die Technologie unterstützt damit bislang vor allem (Kosten-)Prognosen und Projekttransparenz – der Übergang von der frühzeitigen Problemerkennung zur wirksamen Vermeidung im Projektablauf ist noch nicht flächendeckend gelungen.
Der Fachkräftemangel als digitaler Kompetenz-Engpass
Der Fachkräftemangel erhöht einerseits den Druck zur Digitalisierung, begrenzt aber gleichzeitig die Fähigkeit vieler Unternehmen, KI breit auszurollen. 87 Prozent der Befragten geben an, dass Arbeitskräfte- und Kompetenzengpässe ihre Projektabwicklung beeinträchtigen. Als häufigste Folgen nennen betroffene Unternehmen eine höhere Belastung der eigenen Belegschaft (65 Prozent), Verzögerungen im Projektverlauf (55 Prozent) bei steigenden Projektkosten (44 Prozent).
Besonders deutlich wird der Kompetenzengpass bei digitalen Fähigkeiten: 92 Prozent der Unternehmen priorisieren die Kenntnisse im Umgang mit digitalen Tools bei der Einstellung neuer Mitarbeitender – zugleich geben 77 Prozent an, diese Kompetenz sei besonders schwer zu finden. KI-bezogene Kenntnisse und wertvolle Erfahrungen werden von 71 Prozent priorisiert, parallel aber von 57 Prozent als schwer verfügbar eingestuft.
„Die Studie macht deutlich, dass digitale Transformation nicht nur eine Technologiefrage ist“, interpretiert Andrea Radlbeck, Senior Product Managerin bei Bluebeam die Ergebnisse. „Wer KI skalieren will, braucht nicht nur geeignete
Software, sondern vor allem durchgängige Arbeitsabläufe, belastbare Daten – und Fachkräfte, die digitale Werkzeuge auch souverän einsetzen können.“
Der Blick auf die parallel veröffentlichte US-Auswertung zeigt ein ähnliches Muster: KI liefert auch dort bereits messbare Vorteile. Doch scheitert die Skalierung auch in den USA weniger an mangelndem Vertrauen als vielmehr an der Integration in bestehende Systeme, an der Datenqualität und an fehlenden digitalen Kompetenzen von Anwenderinnen und Anwender.
Reale Zusammenarbeit fördern statt Tool-Chaos erzeugen
Auch jenseits von KI bleibt die Interaktion von Menschen, mit Informationen und technischen Systemen eine zentrale Herausforderung. 41 Prozent der Befragten nennen unzureichendes Dokumentenmanagement als häufigen Grund von Workflow- und Übergabeproblemen, 40 Prozent verorten sie zwischen Büro und Baustellenteams und 39 Prozent beim Übergang von der Planung zur Bauausführung.
Die Studie ergab aber auch, dass Unternehmen KI aktuell eher einsetzen, um ihre vorhandene Tool-Landschaft produktiver zu machen, als sie vollständig durch neue KI-gestützte Werkzeuge zu ersetzen. 42 Prozent der Organisationen, die KI nutzen, automatisieren ihre Aufgaben innerhalb von einzelnen Anwendungen, 30 Prozent verbinden und koordinieren Daten über bestehende Tools hinweg. Lediglich 28 Prozent nutzen KI primär mit dem Ziel, mehrere Tools durch eine einzige Plattform zu ersetzen.
Den vollständigen Bericht „Ausblick auf Technologie- und Digitalisierungstrends 2027“ mit dem Blick nach Deutschland und Österreich sowie kompakte Fakten, Zahlen und Grafiken finden Sie ab sofort hier.
Über die Studie
Für den Bluebeam AEC Technology Outlook 2027 befragte Hanover Research im Auftrag von Bluebeam insgesamt 350 Technologie-Entscheiderinnen und ‑Entscheider auf Managementebene aus Architektur‑, Ingenieur- und Bauunternehmen in Deutschland (n=250) und Österreich (n=100). Die Befragung ist Teil einer Studie mit insgesamt 1.100 AEC-Entscheiderinnen und ‑Entscheidern aus USA, Deutschland und Österreich. Die Ergebnisse für Deutschland und Österreich sind als eigenständige Marktauswertung veröffentlicht. Fragen zur KI-Nutzung, zu Nutzen und zu Hürden basieren – sofern nicht anders angegeben – auf insgesamt 218 (von 350) Unternehmen, die KI bereits einsetzen. Zu den konkreten Folgen des Fachkräftemangels antworteten insgesamt 311 betroffene Organisationen (von 350).
Über Bluebeam
Bluebeam ist einer der führenden Anbieter von digitalen Produktivitäts- und Kollaborationslösungen für die Baubranche. Seit 2002 entwickelt Bluebeam Desktop‑, mobile und cloudbasierte Lösungen für papierlose Arbeitsabläufe, die die Projektkommunikation verbessern und Prozesse über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg optimieren. Mehr als 4 Millionen Anwender in über 160 Ländern vertrauen auf die Softwarelösungen von Bluebeam, um die digitale Zusammenarbeit und Verwaltung von Projekten voranzubringen. Bluebeam wurde in Pasadena, Kalifornien, gegründet und hat heute Niederlassungen auf der ganzen Welt. Das Unternehmen ist Teil der Nemetschek Group.